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Buzzword Slam. Foto: Katrina Friese

Mehr als 300 Teilnehmende diskutierten an zwei Festivaltagen über Zukunftstechnologien, neue Geschäftsmodelle und die Transformation der Wirtschaft

Marburg, 22. Oktober 2026. „Erfahrung bewahren, ohne an alten Gewohnheiten festzuhalten“ – mit diesem Gedanken brachte Dina Reit, Geschäftsführerin von SK LASER, eine der zentralen Herausforderungen auf den Punkt, die beim Festival für Innovation und Transformation diskutiert wurden.

Am 20. und 21. Oktober kamen mehr als 300 Teilnehmende aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Startup-Szene im Lokschuppen Marburg zusammen, um sich über Künstliche Intelligenz, Robotik und weitere Zukunftstechnologien, neue Geschäftsmodelle und die praktische Gestaltung von Transformation auszutauschen.

Das von StartMiUp initiierte und gemeinsam mit LOVEDIS und dem Regionalmanagement Mittelhessen umgesetzte Festival bot auf mehreren Bühnen sowie in Workshops und Masterclasses Raum für neue Perspektiven, praktische Impulse und persönliche Begegnungen.

Neue Technologien erfordern neue Denkweisen

Den Festivalauftakt auf der Main Stage gestaltete Innovationsstratege Maks Giordano, der angesichts der rasanten technologischen Entwicklung ein Umdenken in Unternehmen und Organisationen forderte. „Die größte Fehleinschätzung ist, exponentielle Technologien mit linearen Planungsmodellen steuern zu wollen. Zukunftsfähig bleiben Organisationen, die Lernfähigkeit zur Kernkompetenz machen und auf eine echte ‚Test & Learn‘-Kultur mit kurzen Zyklen aus Erprobung, Auswertung und Entscheidung setzen“, so Giordano.

Wie etablierte Unternehmen Innovation gestalten, zeigten Dina Reit, Geschäftsführerin von SK LASER, mit Einblicken in die Transformation des Maschinenbaus und Ralf Schneider von Rittal mit Erfahrungen aus 30 Jahren industrieller Innovationsentwicklung. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit den Chancen und Grenzen des Quantencomputings sowie mit Corporate Venturing als Möglichkeit, neue Technologien frühzeitig zu erkennen und strategisch zu nutzen.

Mark Kugel zeigte am Beispiel von SpaceX, welche Rolle ambitionierte Ziele und eine Kultur des Experimentierens für Innovation spielen:

„Große Organisationen scheitern selten an fehlenden Ideen, sondern an zu kleinen Zielen, zu komplizierten Prozessen und der Angst vor dem ersten Fehlschlag. SpaceX macht es umgekehrt: Mondlandungs-Vision, radikal einfache Lösungen und lieber zehn schnelle Tests als ein perfekter Plan.“

Wie Hackathons die KI-Transformation in Unternehmen vorantreiben können und welches Potenzial sie für die Entwicklung und Erprobung neuer KI-Lösungen bieten, diskutierten Philip Röhrig, COO der ABICOR Group, und Vaag Durgaryan, COO for Finance bei SAP, anhand praktischer Anwendungsfälle. 

Bei den Research Pitches erhielt aktuelle Forschung eine große Bühne: Vor Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen und Startups präsentierten sieben Postdocs sowie Doktorandinnen und Doktoranden der Technischen Hochschule Mittelhessen, der Philipps-Universität Marburg und des Fraunhofer-Instituts ihre anwendungsorientierten Forschungsprojekte – von Future Medicine über bionische Innovationen bis hin zu KI-Anwendungen.

Die Region im Austausch: mit Kooperation zu Innovation und Transformation

In der vom Regionalmanagement Mittelhessen organisierten Mittelhessen Lounge kamen Mensch und Technologie zusammen. Wie viel Veränderung Organisationen und ihre Mitarbeitenden bewältigen können, diskutierten Arbeitspsychologin Prof. Ute-Christine Klehe und Digitalunternehmer Hendrik Adam. Guy Sagnes gab Einblicke in die Wissens- und Innovationskultur bei Janitza electronics.

Auch der Weg von der Innovation zur Umsetzung technologieintensiver Entwicklungen spielte eine Rolle: Im Tech-Translation-Talk kamen Christian Hill und Kai Brückmann zu dem Schluss: Man sollte stets die Startup-Denkweise behalten.

Beim Format „Meet the Angels“ mit Bernd Scheld und Thomas Lamprecht stand hingegen die Finanzierung von Startups durch Business Angels im Fokus. Hier zeigten Finanzierer gemeinsam auf, welche Instrumente für Innovations- und Transformationsvorhaben zur Verfügung stehen. In der TeamMit-Masterclass zeigten acht Fachleute verschiedene Finanzierungswege für Innovations- und Transformationsvorhaben auf und betonten den Bedarf an einfacheren und flexibleren Lösungen für Startups und Mittelstand. Weitere Impulse widmeten sich den Herausforderungen der Cybersicherheit und digitalen Innovationen aus Mittelhessen im Rahmen des Netzwerktreffens von „mittelhessen.digital“. Einen humorvollen Perspektivwechsel hingegen bot Poetin Dominique Macri mit einem Buzzword-Slam zu den Floskeln der Businesswelt.

Für Jens Ihle, Geschäftsführer des Regionalmanagements Mittelhessen, ist das Festival ein wichtiger Schritt für die Zusammenarbeit in der Region:

„ Heute wurde deutlich, dass Mittelhessen alle Zutaten auf dem Tisch hat, um die Region zukunftsfähig aufzustellen. Mit Disrupt from the Core zünden wir eine neue Stufe der Kooperation und bringen Menschen aus Unternehmen, Hochschulen, der Finanzwelt und Startup-Talente in einem Format zusammen. Wir sehen das Festival als einen guten Anfang und freuen uns auf die nächste Edition.“

LOVEDIS Stage: KI und Transformation im Mittelstand

„KI ist Chefsache.“ Mit dieser Botschaft brachte Anna Kopp, CIO bei Microsoft Deutschland, auf den Punkt, was sich durch das gesamte Programm der LOVEDIS Stage zog: Keine KI-Strategie ist keine Option. Wie Unternehmen technologischen Wandel nicht nur bewältigen, sondern aktiv gestalten, beleuchtete die Bühne aus strategischer, technologischer und organisatorischer Perspektive. Kopp stellte in ihrer Keynote den Menschen ins Zentrum der KI-Transformation in Organisationen.

Den strategischen Rahmen setzte Kristina Jeromin, Leiterin der Initiative Made in Germany 2030, mit Blick auf die Zukunft des Industriestandorts Deutschland und die politischen Rahmenbedingungen für dessen Transformation: „KI ist eine immer wichtiger werdende Ressource im globalen Wettbewerb. Ähnlich wie die Finanzierungsfrage gilt es, dieses Potenzial konsequent mitzudenken, wenn es um den Auf- und Ausbau zukunftsfähiger Wertschöpfungsketten geht“, so Jeromin. Im anschließenden Gespräch mit Anne Decker, Co-Gründerin von eigenmind, und Mara Steinbrenner, CEO von LOVEDIS, wurde deutlich: Innovation gelingt nur, wenn Politik, Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Wie breit KI in Unternehmen greift, zeigten weitere Beiträge: vom souveränen und verantwortungsvollen Einsatz über Physical AI und humanoide Robotik bis zu Marketing im Zeitalter der KI und den Anforderungen an Führungskräfte und Mitarbeitende. „Souveränität heißt nicht, alles selbst zu machen, sondern nicht ausgeliefert zu sein“, betonte Daniel Gal, CEO bei GAL & nele.ai. Wie sich diese Entwicklungen konkret in Geschäftsmodelle und Unternehmensprozesse übersetzen lassen, zeigten die Startup Pitches mit KI-basierten Lösungen für die Unternehmenspraxis.

Dass Transformation im Mittelstand auch eine Generationenfrage ist, wurde im Panel zu Familienunternehmen und Nachfolge deutlich. Louisa Cronau, Geschäftsführerin von FingerHaus, und Sina Lupp, Prokuristin und Gesellschafterin von Lupp, gaben als Bauunternehmerinnen der Region Einblicke, wie Nachfolge gelingen kann.

„Über KI reden gerade alle. Spannend wird es, wenn ein Unternehmen nach dem Festival mit einem Startup einen Piloten startet. Genau dafür bauen wir bei LOVEDIS die Brücken zwischen Mittelstand und Startups“, so Mara Steinbrenner, CEO von LOVEDIS.

„Innovation entsteht nicht im Alleingang“

Zwischen den Bühnenprogrammen, in den interaktiven Formaten und beim gemeinsamen Get-Together bot das Festival Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und mögliche Kooperationen anzustoßen.

„Innovation entsteht nicht im Alleingang. Gerade in Mittelhessen haben wir mit einer starken mittelständischen Wirtschaft, exzellenter Forschung und einer vielfältigen Startup-Szene großes Potenzial, die Transformation aktiv zu gestalten. Entscheidend ist, diese Kompetenzen zusammenzubringen und aus neuen Ideen konkrete Anwendungen und Kooperationen entstehen zu lassen. Mit Disrupt from the Core haben wir dafür eine gemeinsame Plattform geschaffen.“, so Patricia Kuhr, Geschäftsführerin von StartMiUp.

„Disrupt from the Core“ wird von StartMiUp, dem Innovations- und Startupcampus der drei mittelhessischen Hochschulen, gemeinsam mit dem Regionalmanagement Mittelhessen und LOVEDIS umgesetzt und kofinanziert von der Europäischen Union.

Zur Pressemitteilung

Bilder:

Buzzword-Slam in der Mittelhessen Lounge mit Dominique Macri. Foto: Katrina Friese

Die Veranstalter hinter Disrupt from the Core (v.l.n.r) Mara Steinbrenner, Geschäftsführerin LOVEDIS, Jens Ihle, Geschäftsführer Regionalmanagement, Patricia Kuhr, Geschäftsführerin StartMiUp. Foto: Katrina Friese

Eröffnung von Disrupt from the Core mit Prof. Dr.-Ing. Jochen Frey, Vizepräsident der Technischen Hochschule Mittelhessen, Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Wencke Gwozdz, Vizepräsidentin der Justus-Liebig-Universität Gießen und Moderatorin Bianca von der Au. Foto: Katrina Friese

Mara Steinbrenner, Geschäftsführerin LOVEDIS beim Opening der Bühne. Foto: Markus Laubvogel

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